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05.08.2019
Lieferengpässe bei Arzneimitteln bleiben ein Ärgernis für Patienten und Apotheker

Ein Patient kommt mit einem Rezept für ein dringend benötigtes Medikament in die Apotheke. Immer häufiger muss ihm der Apotheker aber sagen: „Das Mittel können wir wegen eines Lieferengpasses zurzeit leider nicht beschaffen.“ Diese für beide Seiten frustrierende Situation ist Apothekenalltag in Deutschland. „Lieferengpässe sind eines der größten Ärgernisse in meinem Arbeitsalltag“, berichtet Dr. Hans-Peter Hubmann, 1. Vorsitzender des Bayerischen Apothekerverbandes e.V. „Das Problem verschärft sich tendenziell seit Jahren.“

Diesen Vor-Ort-Befund bestätigt der Apothekenklima-Index 2018, eine repräsentative Umfrage unter Apothekeninhabern in Deutschland. Das in diesem Juni vom Bundestag verabschiedete Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV) wird wohl kaum Abhilfe schaffen. Deshalb sehen Bayerische Landesapothekerkammer (BLAK) und Bayerischer Apothekerverband e. V. (BAV) die Bundesregierung in Zugzwang. „Die Politik muss die Arzneimittelhersteller dazu verpflichten, jederzeit Medikamente in der benötigten Menge bereitzustellen“, fordert Thomas Benkert, Präsident der BLAK. „Außerdem ist die Fachkompetenz der Apotheker anzuerkennen und zu erweitern“, ergänzt Dr. Hans-Peter Hubmann. Denn dann könnten die Pharmazeuten die Patientenversorgung bei auftretenden Problemen in vielen Fällen noch besser sichern. Lieferengpässe entstehen nämlich, bevor die Medikamente in die Apotheke kommen. Eine Ursache ist die Globalisierung der Herstellung. Aus ihren Fabriken in aller Welt beliefern manche Hersteller bevorzugt Märkte mit höheren Arzneimittelpreisen als hierzulande.

Die Vor-Ort-Apotheken lösen die meisten Probleme direkt

„In den Apotheken gibt es zurzeit zwischen 90 bis 150 nicht lieferbare Arzneimittel“, erläutert Alexander von Waldenfels. Er vertritt die bayerischen Apotheker am Runden Tisch, den das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege zu diesem Thema ins Leben gerufen hat. Von Waldenfels betont die unverzichtbare Rolle der Apotheken beim Abfedern der Lieferengpässe – zum Wohle der Patienten: „Viele Probleme können Vor-Ort-Apotheken lösen, indem sie beispielsweise das Produkt eines anderen Herstellers oder eine eigens hergestellte Rezeptur abgeben.“ Manche Arzneimittel wie etwa Antiepileptika mit dem Wirkstoff Carbamazepin dürfen Pharmazeuten aber nicht einfach so austauschen. Dann hilft oft nur die Rücksprache des Apothekers mit dem Arzt weiter. Manchmal ist dann aber ein neues Rezept nötig – zum Verdruss des Patienten.

Bis zu zehn Wochenstunden unbezahlter Mehraufwand

Der durch Lieferengpässe verursachte Mehraufwand in einer Apotheke beträgt im Durchschnitt fünf Stunden pro Woche und beläuft sich nicht selten auf das Doppelte. Diese Ergebnisse offenbart eine aktuelle Umfrage unter BAV-Beiratsmitgliedern vom Mai dieses Jahres. „Auch wir verbringen mehrere Stunden in der Woche damit, die Auswirkungen von Lieferengpässen auf unsere Patienten so gering wie möglich zu halten“, sagt Apotheker Dr. Hans-Peter Hubmann. „Diesen Aufwand an Zeit und Personal erbringen wir ohne zusätzliche Vergütung.“ Beratungsbedarf entstehe zum Beispiel, weil Tabletten verschiedener Hersteller unterschiedlich aussehen. Das verunsichere manche Patienten stark und könne ohne persönliche Beratung zur Nichteinnahme des Medikaments führen, so Dr. Hans-Peter Hubmann.

Forderungen von Kammer und Verband an die Politik

Kammer und Verband fordern den Gesetzgeber auf, folgende Maßnahmen zügig umzusetzen:
- Frühzeitige Informationspflicht: Arzneimittelhersteller sollten zur Meldung von Lieferengpässen oder Lieferausfällen für alle Arzneimittel gesetzlich verpflichtet sein, sobald diese absehbar sind.

- Rabattverträge mit mehreren Herstellern: Krankenkassen sollten Rabattverträge für Arzneimittel mit mindestens drei unterschiedlichen Herstellern abschließen müssen. So wäre es leichter möglich, bei einem Lieferengpass auf Präparate anderer Firmen auszuweichen.